Kirchgemeinde Bannewitz

Wort zum Monat

Liebe Leser,

die Tür geht auf und eine Grundschulklasse betritt leise die Kirche. Große erschrockene Augen: „Wer ist denn das?“ – Das Kruzifix über dem Altar erregt Anstoß, gibt Anstöße. Wir müssen darüber sprechen. Wer ist der Mann am Kreuz? Was bedeutet das Kreuz?
In unserer Friedenskapelle in Freital-Kleinnaundorf hängt ein Kreuz aus Eichenholz von Brigitta Großmann-Lauterbach. Die in den 60er-Jahren bekannte und leider früh verstorbene Künstlerin hat auf besondere Weise das Kreuz gestaltet. Der Balken von oben nach unten erzählt den Weg Jesu in die Welt. Er beginnt mit der Geburt im Stall und führt über Tod und Auferstehung bis zu uns, die das Heilige Abendmahl am Altar feiern, in Augenhöhe mit den Jüngern.

Der horizontale Balken zeigt, was Jesus im Leben von Menschen getan hat und tut: Links: Jesus heilt einen Kranken. Er schenkt neues Leben, neue Möglichkeiten. Rechts: Jesus stillt den Sturm. Er  bewahrt in den Stürmen des Lebens, die Einzelne oder ganze Gemeinschaften bedrohen.  

Viele Kleinigkeiten sind zu entdecken, Menschen, Tiere, Engel, der Blitz …

Alles läuft auf die große Mitte zu: Jesus Christus. Die Nägelmale in den segnenden Händen erinnern an das grausame Lebensende am Kreuz. Doch Leid und Tod sind überwunden. Christus ist auferstanden. Geheimnisvolle Wesen umgeben ihn. Es sind die Seraphim mit sechs Flügeln, die der Prophet Jesaja in einer Vision am Thron des unfassbaren Gottes sehen durfte.

Dieses Kreuz zeigt die „Tiefendimension“ des Lebens Jesu. Er ist aus der unsichtbaren Wirklichkeit Gottes herausgetreten, um uns in seinem Leben, in Tod und Auferstehen die Liebe Gottes zu bringen und die Tür zu Gottes Herrlichkeit zu öffnen.

Wir sehen das mit den „Augen des Herzens“. Möglicherweise deshalb haben viele Figuren die Augen geschlossen, anbetend, nachsinnend, lauschend, auch Christus selbst. Der Gekreuzigte und Auferstandene ist bei uns und segnet uns: die Einzelnen und die Gemeinde und alle, die vor dem Kreuz ins nachdenkliche Gespräch kommen.

Herzlich grüßt
auch im Namen des Kirchenvorstandes und der Mitarbeiter/innen
Pfarrerin Elisabeth Bellmann